Im Blick: Was der RCDS mit Sexismus zu tun hat.


Sexismus wird abgeleitet von dem Wort „sex“, was Geschlecht im biologischen Sinn bedeutet. Soziologische Texte unterscheiden zwischen dem biologischen (sex) und dem sozialen Geschlecht (gender). Während sich das biologische Geschlecht ausschließlich auf biologische Körpereigenschaften bezieht und zwischen Mann und Frau unterscheidet, hebt das soziale Geschlecht (gender) diese Unterschiede auf und sieht das Verhalten als sozial konstruiert an.

„Attraktive Hochschulpolitik“ titelt das Wahlplakat des RCDS für die diesjährigen Gremienwahlen. Attraktiv meint in dem Fall das Bild der RCDS Spitzenkandidatin und zielt damit eindeutig auf das soziale Geschlecht ihrer Kandidatin ab und rekonstruiert eine klassische Geschlechterrolle. Sie, die Spitzenkandidatin, wird als weibliches Objekt zur Schau gestellt, indem Geschlecht und Aussehen im Vordergrund stehen. Die klassische Geschlechterrolle wird so reproduziert und nicht hinterfragt. Außerdem wird der Eindruck vermittelt, dass ein Zusammenhang zwischen Kompetenz und attraktiven Aussehen besteht. Die Fähigkeiten eines Menschen dürfen aber nicht am Aussehen gemessen werden. Auch sonst vermittelt das Plakat keine Inhalte und gibt auch keine Anhaltspunkte, was noch unter „attraktiver Hochschulpolitik“ von ihrer Kandidatin abgesehen, zu verstehen ist. Ohne Frage – es ist nicht möglich alle hochschulpolitisch relevanten Themen mit einem Wahlplakat abzudecken, überhaupt keine politischen Inhalte aufzuführen, ist allerdings auch eine Leistung.

Die Tatsache, dass sie primär auf ihr Geschlecht und ihr Aussehen reduziert wird und erst an zweiter Stelle als RCDS-Spitzenkandidatin wahrgenommen werden kann, unterstreicht die sexistische und anti-emanzipatorische Konnotation der diesjährigen RCDS-Kampagne. Diese zeigt exemplarisch die Unbeweglichkeit konservativer (Hochschul-)Politik, die klassische und dichotome Rollenbilder bedient sowie reproduziert und offensichtlich nicht in der Lage ist Ergebnisse von 50 Jahren Geschlechterforschung auch nur annährungsweise in ihre Politik aufzunehmen. Dass diese Darstellungen nicht nur für provokative Zwecke genutzt wurde, sondern augenscheinlich beim RCDS tief verankert ist, zeigt ein Blick auf die Homepage der Hochschulgruppe. Anreden, Texte und Wahlprogramm sind konsequent im generischen Maskulinum verfasst und tragen der Tatsache, dass die Studienrendenschaft mehr als ein Geschlecht umfasst keinerlei Rechnung. Dabei stellt sich die Frage,: Wen möchte der RCDS mit diesem Plakat ansprechen? Folglich stuft der RCDS seine WählerInnen auf ein inakzeptables Niveau herunter, welches Studierenden nicht gerecht wird.

Wir, die Grüne Hochschulgruppe, empfinden diese Kampagne als Affront gegen die Emanzipation aller Geschlechter, welche sich genau von diesen Klischees befreit haben. Latenter wie auch offener ausgetragener Sexismus soll keinen Platz an dieser Universität finden.

* Judith Butler: „Gender Trouble: Feminism and the Subversion of Identity“ (1990)

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